Sektion Celle

Sektion Celle

Montag, 27.07.2026 - 07:00

Sicherheitspolitischen Mehrtagesfahrt der Sektion Celle vom 27.07. – 31.07.2026

Exkursion


Die diesjährige sicherheitspolitische Mehrtagesfahrt führte die Celler Sektion zusammen mit der Kreisgruppe Celle des Reservistenverbandes in den Raum Aachen und Umgebung.

Die sicherheitspolitische Bedeutung des Vierecks Aachen – Nörvenich – Brüssel – Hürtgen ergibt sich aus einer Mischung aus historischer Last, strategischer Infrastruktur und politischer Entscheidungszentralisierung. Dieser Raum fungiert als "nervliches Zentrum" der westlichen Verteidigungsarchitektur.

Brüssel ist nicht nur die Hauptstadt Belgiens, sondern der Dreh- und Angelpunkt der westlichen Sicherheitsarchitektur u.a. mit dem NATO-Hauptquartier: Hier werden die strategischen Entscheidungen des Bündnisses getroffen. Mit dem Europäischen Rat und der Kommission ist Brüssel der Ort, an dem die ständige Strukturierte Zusammenarbeit und die europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik geformt werden. Brüssel ist das primäre Ziel für diplomatische Koordination, aber auch ein Brennpunkt für Spionageabwehr und hybride Bedrohungen.

Der Fliegerhorst Nörvenich mit dem Taktisches Luftwaffengeschwader 31 „Boelcke“ ist einer der bedeutendsten Luftwaffenstützpunkte Deutschlands. Nörvenich sichert den Luftraum über Westdeutschland und stellt Kräfte für NATO-Einsätze (z.B. Air Policing im Baltikum). Während die US-Atombomben in Büchel lagern, dient Nörvenich oft als Ausweichstandort oder Trainingszentrum im Rahmen der nuklearen Teilhabe. Sollte Büchel blockiert sein, steigt die Bedeutung Nörvenichs als logistischer Hub massiv an. Die Nähe zum Rhein-Ruhr-Gebiet macht den Standort essenziell für den Objektschutz des deutschen Industrieherzens.

Aachen ist aufgrund seiner geographischen Lage im Dreiländereck (D/NL/B) von entscheidender Bedeutung für die Military Mobility. Bei einer Ost-West-Verlegung von Truppen (z.B. US-Verstärkung aus den Häfen Antwerpen oder Rotterdam Richtung Polen) ist Aachen das logistische Nadelöhr. Durch die RWTH Aachen ist die Region ein Zentrum für Sicherheitsforschung, KI in der Verteidigung und Materialwissenschaften, was für die technologische Souveränität der Bundeswehr relevant ist.

Obwohl der Hürtgenwald heute keine aktive Militärbasis von globalem Rang ist, bleibt er sicherheitspolitisch relevant: Die Schlacht im Hürtgenwald 1944 ist ein Lehrbeispiel für den Waldkampf und die Schwierigkeiten asymmetrischer Verteidigung in dichtem Gelände. Er dient als Ort der internationalen Verständigung insbesondere Zwischen Deutschland und den USA. In der unmittelbaren Region (z.B. Vogelsang/Eifel, heute Nationalpark, aber umgeben von militärischen Übungsflächen) findet nach wie vor Ausbildung statt, die die Topographie der Mittelgebirge nutzt.

Zusammengefasst bildet dieser Raum das logistische Hinterland der NATO-Ostflanke.

Während der Mehrtagesfahrt hatte 35 Reservisten und Gäste der Gesellschaft für Sicherheitspolitik e.V., Sektion Celle unter der Leitung von Korvettenkapitän d.R. Heiko Wolff die Gelegenheit, sich in vielerlei Hinsicht mit diesem Raum vertraut zu machen. Höhepunkte waren ohne Zweifel der Besuch beim Taktischen Luftwaffengeschwader 31 Boelcke, Gespräche in der Ständigen Vertretung des Landes Niedersachsen bei der EU in Brüssel, die Besichtigung des Parlamentariums und der Gedenk- und Erinnerungsstätte Waterloo 1815 sowie des NS-Dokumentrationszentrum Vogelsang im Nationalpark Eifel.

Ein besonderer Dank gebührt Oberstabsfeldwebel a.D. Matthias Funke für seine fachkundige Führung durch Aachen und den Gedenk- und Lernort Hochbunker Aachen sowie seinen lebhaften Bericht über seinen Einsatz in Afghanistan.

Den Abschluss bildete ein militärhistorischer Vortrag beim Geschichtsverein Hürtgenwald mit Führung durch einen Sanitätsbunker aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges und eine würdevolle Kranzniederlegung auf dem Soldatenfriedhof Hürtgen.

Eine ruhige Rückfahrt schloss die Woche und ein zufriedener Leitende konnte die Teilnehmer in das Wochenende verabschieden mit der Gewissheit, dass sie sicher noch lange von den Eindrücken der Mehrtagesfahrt nachdenklich, aber auch informativ gestärkt, zehren werden und als Multiplikatoren für die Gesellschaft und den Verband wirken werden.

Text und Fotos: Heiko Wolff

 


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