Sektion Delmenhorst

Sektion Delmenhorst

Mittwoch, 19.08.2026 - 18:30

Die Neuaufstellung der Heeresflugabwehrtruppe

Ort: "Oase Haus Adelheide" (Soldatenheim), (vor Delmetal-Kaserne), - Abernettistraße 43 , 27755 Delmenhorst
Organisator: Herr Oberstleutnant a.D. Rolf Dieter Wienand , Sektionsleiter delmenhorst@gsp-sipo.de
Donnermoor 48, 27777 Ganderkesee  04222 / 950222

Der Referent (im Hintergrund) trägt vor.

Eigenbericht zum Vortrag von Major Romano Börner zum Thema:

 „Aufstellung der Heeresflugabwehrtruppe - Sachstand“ am 19.08.2026 in Delmenhorst

Die Hinwendung der Bundeswehr zur Landes- und Bündnisverteidigung und nicht zuletzt der Verteidigungskampf der Ukraine und die dabei gewonnenen Erkenntnisse für moderne Kampfführung führen zur Wiederbelebung einer in der Bundeswehr „ausgestorbenen“ Truppengattung – der Heeresflugabwehrtruppe. 54 Interessierte waren der Einladung des Standortältesten der Bundeswehr und des Leiters der Sektion Delmenhorst der Gesellschaft für Sicherheitspolitik gefolgt, um sich aus erster Hand über den Sachstand der Aufstellung zu informieren. Mit dem Einsatzstabsoffizier des Aufstellungsstabes war ein kompetenter Referent in das Haus Adelheide gekommen, der mit Herzblut zu „seiner“ Truppengattung vortrug.

Der Redner schlug einen Bogen von der Geschichte der Heeresflugabwehr über die aktuellen, vielfältigen und auch hybriden Bedrohungen aus der Luft und die daraus abgeleiteten Schlussfolgerungen für eine moderne Kampfführung und die dafür erforderlichen Kräfte und Mittel. Da mit einigen GEPARD-Enthusiasten unter den Teilnehmern gerechnet worden war, wurde auch gleich zu Beginn die Ansicht, dass der alte Heeresflugabwehrpanzer doch in der Ukraine ein begehrtes Kampfmittel sei und auch sicher im modernen Gefecht eine Zukunft hätte, abgeräumt. Die Einsatzgrundsätze, wie sie in der Ukraine angewendet werden, würden – so der Redner – im von der NATO gemanagten Luftraum keine Anwendung finden. In einer künftigen Auseinandersetzung der NATO mit einem potenziellen Gegner sei davon auszugehen, dass die Bedrohungslage durch Einsatz von Drohnenschwärmen (auch KI gesteuert), eine massive elektromagnetische Kriegsführung, den Einsatz von Stealth-Technologien und hypersonischer Flugkörper, die Notwendigkeit der zeitlichen Koordination mehrerer Angriffe in mehreren Bereichen und eine erhöhte Bedrohung von Einheiten hinter der Front gekennzeichnet sein würde. Eine besondere Herausforderung stellt dabei – so der Vortragende – der Kosten- Nutzen – Faktor von Wirk- und Abwehrmittel dar. Als Beispiele nannte er, dass Mikrodrohnen zum Preis von ca. 1.000 USD durch eine Kanone mit Munition von 1.500 bis 3.000 USD, eine sogenannte Kamikazedrohne im Wert von 150.000 USD durch eine Rakete im Wert von 250.000 USD und eine Angriffsdrohne im Wert von 900.000 mit einer Rakete im Wert von 1 bis 4 Mio USD bekämpft werden müssten. Der Einsatz von Raketen gegen Drohnen wäre zum einen unwirtschaftlich, zum anderen auch ein die eigenen Ressourcen aufzehrendes Verfahren. Die Vorstellung, dass jedes Wirkmittel effektiv abgefangen werden könnte sei ebenfalls nicht haltbar. Es müsse vielmehr eine Auswahl nach der möglichen Schadwirkung getroffen werden. Kampfmittel, die vermutlich „auf dem Acker“ zur Wirkung kommen würden, könnten somit unbekämpft bleiben.

Aus diesen Überlegungen wurden die Anforderungen an ein modernes Netzwerk der Luftverteidigung abgeleitet:

Den Nächst- und Nahbereich bis 4.000m werden Flugabwehrkanonenpanzer (SKYRANGER 30) und Flugabwehrraketenträger (STINGER auf WIESEL) abdecken. Daran schließt sich ein Raketenabwehrsystem mit einer Reichweite bis 15.000m (IRIS T SLS) an.

Weitere Bereiche würden mit IRIS T SLM, PATRIOT und ARROW 3 durch die Luftwaffe abgedeckt.

Mit Angaben zu Strukturen, Zeitschienen und Stationierungsorten hielt sich der Referent befehlsgemäß zurück. Gemäß ausgeteiltem Flyer soll der erste Verband aber bis 2028 aufgestellt werden.

Das aufmerksam folgende Publikum stellte eine Vielzahl von Fragen, u.a. zur Anzahl benötigter Systeme, Besatzungen und deren Ausbildung, zu den Anforderungen an ein qualifiziertes Luftlagebild und den Möglichkeiten des Einsatzes der Bundeswehr zu Drohnen im Inland. 

Harald Mauritz